Die Wettervorhersage ist für die aktuelle Location nicht gerade einladend gestimmt. Also weg hier …

Es standen 515 km im Auto auf dem Plan. Der kürzere und schnellere Weg wäre zwar nur knapp 400 km lang und ob der komplett asphaltierten Straßen bedeutend schneller zu absolvieren gewesen, aber aber wir sind im Urlaub, haben Zeit und wollen was erleben und sehen. Also entschieden wir uns für die weitere aber landschaftlich reizvollere Strecke.

Der Beifahrer nahm diese Aufgabe derweil mal etwas zu genau und lotste die Fahrerin vor den Eingang des Ai Ais Nationalpark. Serpentinen durch ein eindrucksvolles Bergmassiv und eine regelrechte grüne Oase am Fish River, vermochten zumindest nach Ansicht der Steuerfrau die 20 km Umweg nicht zu rechtfertigen. Voller Demut nahm sich der Navigator seiner Aufgabe nunmehr konzentrierter an.
Die Vegetation wechselte von karg bis nicht vorhanden. Die Berge formten immer wieder neue sehenswerte Formationen. Eine Zebraherde grüßte vom Wegesrand. Über hunderte Kilometer war kein weiteres Fahrzeug zu sehen.



Nach einer langen steileren Abfahrt wurde es urplötzlich grün. Weinreben wuchsen in Plantagen am Straßenrand. Der Grund ist der Fluss Orange bzw. Oranje. Dieser entspringt auf 3.160 m Höhe in den Drakensbergen in Südafrika, ist 1.860 km lang und einer der wenigen Flüsse auf namibischen Territorium, welcher den Atlantik erreicht, ohne vorher irgendwo zu vertrocknen. Gleichzeitig bildet er die Grenze zu Südafrika.

So nah am südlichsten Land des Kontinentes wuchs (beim Beifahrer *Anmerkung der Ehefrau) der Wunsch, sich einen Stempel im Pass abzuholen. Leider gab es auf den 100 km entlang des Flusses und der Grenze keinen regulären Übergang. Nicht einmal eine Brücke. An einigen Stellen hätten wir zwar über die Steine rüberhüpfen können und hätten auf südafrikanischen Boden gestanden, aber im Pass hätte dieser illegale Grenzübertritt keine Erwähnung gefunden und die Luft wäre sicher auch nicht anders als am rechtsseitigen Ufer des Orange.



Lediglich eine Fähre gibt es. In der dortigen Grenzstation haben wir unser Anliegen erläutert. Die Fähre hätte uns auch übergesetzt. Allerdings ist auf südafrikanischer Seite lediglich eine Mine und der nächste Ort einfach zu weit entfernt. Also wurde das Vorhaben nach Besichtigung der Fähre beerdigt.


Weiter ging es auf der komplett asphaltierten C13 nach Norden. Wieder folgten teils abrupte Wechsel der Vegation.


Das nächste Etappenziel trägt den witzigen Namen Aus. Dort gab es für uns pünktlich um 16 Uhr Kaffee und Torte aus einer reichhaltigen Auswahl im Bahnhofshotel. Die obligatorische Schwarzwälder Kirschtorte war selbstverständlich neben Lemon-Crumble, Nußtorte, Bienenstich und anderen nicht in Afrika zu erwartenden Sorten im Angebot. Und das für den lächerlichen Preis von 20 NAD, mithin 1 Euro.


Als letzte Etappe lagen noch 122 km durch die Namib-Wüste zum Küstenort Lüderitz vor uns. Unterwegs trafen wir auf eine kleine Herde Namib Wildpferde. Der genaue Ursprung dieser in der Wüste heimisch gewordenen Tiere ist unklar. Spekuliert wird über ausgebrochene Pferde der deutschen Schutztruppen oder einer Ranch. Oder sogar als die Überlebenden eines gestrandeten Dampfers, welches Zuchtpferde von Europa nach Australien bringen sollte. Sie haben sich an das Leben in der Wüste angepasst und heutzutage ungefähr Ponygröße.



Parallel zur B4 verläuft die Bahnstrecke Aus-Lüderitz, welche vor Jahren eingestellt wurde. Verlassene Bahnhöfe geben ein surreales Bild ab. Lisa verliebte sich regelrecht in den Anblick und vergleicht die Stimmung mit Bildern ihres Lieblingsmalers Edward Hopper.


Kurz vorm Tagesziel passierten wir noch die verlassene Diamantensucherstadt Kolmannskuppe, welche wir dann am Sonntag besuchen.

Unsere hier selbst organisierte Unterkunft liegt auf der Halbinsel Shark Island, direkt am Atlantik. Wir kamen in Shirt, kurzer Hose und Flipflops bei 12° C an.




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