Sämtliche Reiseführer sagen, dass der Sonntag nicht empfehlenswert ist, um Lüderitz zu erkunden, da das sonst schon verschlafene Städtchen dann total ausgestorben ist. Aber wir hatten nun mal nur den Sonntag, also wollten wir das Beste draus machen.
Zuerst besuchten wir den Leuchtturm gleich neben unserer liebevoll eingerichteten Unterkunft auf der Halbinsel Shark Island. Auf der gesamten Halbinsel wurden während der Herero-Aufstände 1904 – 1907 Strafgefangene untergebracht. Eine Halbinsel eignet sich als Internierungslager auch vorzüglich, da nur der schmale Übergang zum Festland gesichert werden muss. Aktuell wehte gelbes Absperrband mit der Aufschrift Police allenthalben. Eine Nachfrage beim Wachmann ergab, das kürzlich menschliche Knochen gefunden wurden und nun das ganze Gelände nach weiteren sterblichen Überresten abgesucht werden soll. Und dann entdeckten wir auch entsprechende Artefakte. Womöglich befindet sich an diesem Ort, welcher aktuell auch als Camper-Platz genutzt wurde ein regelrechtes Massengrab.



Mit diesem beklemmenden Gefühl machten wir uns auf zur verlassenen Stadt Kolmannskuppe, gute 10 km vor Lüderitz. Bei der Lüderitzbucht handelt es sich um den einzigen Flecken innerhalb von ca. 1.000 km Küstenlinie, an der die Atlantikküste nicht sofort in die unwirtliche Namib-Wüste übergeht. Dort suchte im Januar 1488 bereits der portugiesische Seefahrer und Entdecker Bartolomeu Diaz 5 Tage lang Zuflucht vor schlechtem Wetter und errichtete ein Steinkreuz auf einem Felsen, dessen Nachbildung wir später am Tag noch besuchten.

Am Land hatte man damals wegen trostlosen Wüste im Hinterland kein Interesse. Erst ab 1883 errichtete der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz hier einen Posten und kaufte mit einem mathematischen Schwindel dem Häuptling der Bethanier Joseph Fredericks einen Umkreis von 5 Meilen Land ab. Lüderitz ließ den Stammesführer in dem Glauben, dass es sich um englische Meilen (1,6 km) handelt und nicht wie vertraglich vereinbart um Seemeilen (7,4 km). In Deutschland sicherte er sich bei Kaiser Wilhelm II. Unterstützung und ihm wurde eine deutsche Schutztruppe gestellt. Rasch wurde eine Eisenbahnlinie ins Landesinnere gebaut. An dieser wurde dann im Jahr 1908 durch Angestellte des Bahnhofsvorstehers August Stauch ein erster Diamant im Wüstensand gefunden.

Auf einmal grassierte das Diamtenfieber und Kolmannskuppe entstand als Behausungen der Diamantensucher. Der Ort galt zwischenzeitlich als reichste Stadt der Welt und hatte eine eigene Bahn quer durch den Ort, elektrischen Strom und kostenlose Eisversorgung für die Bürger. Ein eigenes Krankenhaus entstand (damals das modernste Afrikas) und ein Kasino.







Da das zu klein wurde, wurde kurzerhand ein neues Kasino gebaut mit heute noch erhaltener Kegelbahn, Lichtspieltheater, großer Küche und allerhand anderer Annehmlichkeiten.
Nachdem Deutschland 1915 seine Kolonien nach dem ersten Weltkrieg aufgeben musste wurde das Territorium dem British Empire zugeschlagen und diese stellten Namibia unter südafrikanische Verwaltung. Die Diamantenschürfrechte wurden verstaatlicht und die De Beers Group übernahm das Gebiet. Seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 betreibt der namibische Staat gemeinsam mit De Beers als NamDeb sämtliche immer noch stattfinden Explorationen.
1956 zogen dann die letzten Einwohner aus Kolmannskuppe fort und überließen die Siedlung der Namib-Wüste, die sich die Gebäude Stück für Stück zurück holt.


Der ehemalige Kaufmannsladen und das benachbarte Haus der Inhaberin dieses Geschäftes sind noch sehr gut erhalten und zeugen heute nach davon, dass bei jedem Rausch nach Bodenschätzen diejenigen am sichersten Geld verdienen, die die Schaufeln verkaufen. Im Wohnhaus liegt noch ein Bestellbuch für alle möglichen Spezialitäten und Sonderwünsche aus der alten Heimat aus. So ist zu lesen, wer zum Beispiel 5 Räucheraale, 2 kg Kaviar, Persi(e)l oder andere damals in Afrika nicht erhältliche Artikel bestellte und mit dem nächsten Dampfer geliefert bekam.




Nachdem wir uns nach der Führung noch gut 2 Stunden die Beine vertraten, erkundeten wir die Küste rund im die Lüderitzbucht. Schroffe Felsen begrenzen zumeist den Atlantik, aber es gibt auch ausgedehnte Strandabschnitte. Die recht frischen Außentemperaturen und das kalte Wasser, welches hier vom Benguelastrom gespeist wird, laden aber nicht zum Baden ein. Der Benguelastrom ist für das trockene namibische Wetter verantwortlich. Das kalte Meer lässt wenig Wasser verdunsten und der zumeist ablandige Wind sorgt dafür, dass es in weiten Teilen des Landes weniger als 50 cm Niederschlag im Jahr gibt. in vielen Gegenden regnet es gar nicht.



Selbstverständlich waren auch Möven und sogar Flamingos zu entdecken.




Den Nachmittag ließen wir im vornehmsten Hotel der Stadt, dem Lüderitz Nest ausklingen.




Noch ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt und dann begaben wir uns vor dem Abendessen an einen erst im Juli 2023 eröffneten neuen Hotspot am Meer mit dem Ortsnamen als Schriftzug.

Wir fanden es gerade wegen des ruhigen Sonntag richtig gut.




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