Am nächsten Morgen stand eine bereits vorgebuchte Tour auf dem Programm. Namibia gilt als das Land der Big 5. Damit sind Löwe, Elefant, Büffel, Nashorn und Leopard gemeint. In Swakopmund gibt es die alle nicht. Aber eine Travel Agency, welche sich The living Desert nennt und sich zur Aufgabe gemacht hat, dem geneigten Touristen die little 5 zu zeigen und damit zu veranschaulichen, dass selbst in der unwirtlich scheinendsten Umgebung Leben herrscht. Mit den little 5 sind Schlangen, Käfer, Spinnen, Geckos und Chamäleons gemeint.
Lisa wollte sich aber an diesem Donnerstag eine Auszeit nehmen und mal für sich sein. Somit schickte sie mich buchstäblich allein in die Wüste. Davon hatte sie an dieser Stelle bereits berichtet. Ich habe jetzt aber das Privileg zu berichten, was sie dabei verpasst hat.
Kurz vor der vereinbarten Zeit um 8 Uhr stand Zacki bereits vor der Unterkunft und war zunächst sichtlich enttäuscht, dass er mit mir allein Vorlieb nehmen muss. Das hielt ihn aber nicht davon ab, mir bereits im Fahrzeug zu versprechen, dass ich bald einen komplett anderen Blick auf die von mir bereits trostlos genannte Wüsten- und Dünenlandschaft haben werde.
Noch fix zwei andere Pärchen abgeholt und auf in die Dünen vor der Stadt gefahren. Dort trafen wir noch auf einen anderen Jeep von The living Desert, welcher von Kevin gesteuert wurde. Beide sind deutschstämmig, aber ihre Familien sind bereits seit Generationen im Land. Sie haben eine geniale Arbeitsteilung. Während Kevin der vereinten Gruppe so mancherlei interessantes über die Nahrungsketten und das sensible Gleichgewicht in der Wüste erklärte, ging Zacki auf Spurensuche nach den kleinen Geschöpfen. Einen Elefant oder eine Giraffe erkennt selbst ein Halbblinder recht leicht, wenn solch ein Tier in der Nähe ist. Schwieriger ist es da schon, die kleinen, zumeist ausschließlich nachtaktiven Geschöpfe zu finden, welche auch noch die Angewohnheit besitzen, sich bei Helligkeit mehr oder weniger in den in tieferen Schichten kühlenden Sand einzubuddeln. Da ist gute Kenntnis und ein geschultes Auge gefragt. So brachte Zacki auch ziemlich zackig eine Blindschleiche an. Diese schimmerte türkis-golden im Sonnenlicht.

Nach weiteren Erklärungen und Schwärmereien über die faszinierende, lebendige Wüste freuten sich die beiden Guides bereits sichtlich. Was war los? Wir liefen etwas weiter und auf einem kleinen Hügel, gut zwischen kleinem Gebüsch versteckt, hockte ein Chamäleon. Auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Aber ein wunderschönes Tier. Kevin fütterte es mit kleinen Würmern an und das Reptil zeigte, was es für einen langen und schnellen Muskel als Zunge sein Eigen nennt. Ich stelle das mal als Video bei YouTube ein.

Das Chamäleon war tief schwarz gefärbt. Es war noch früh am Morgen, recht kalt und die ersten Sonnenstrahlen haben gerade den Nebel beiseite geschoben. Durch die schwarze Färbung kann die Sonne das wechselwarme Geschöpf wärmen. Kevin präsentierte den Fund mit großer Freude und gab zu bedenken, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass auf der Tour eine Ausgabe dieser Spezies zu entdecken ist. Manchmal finden sie wochenlang keins. Anfassen war nicht erlaubt, da der menschliche Geruch sonst die Schakale anlocken und das Chamäleon somit dem sicheren Fresstod erleiden würde.

Als wir noch etwas weiter gefahren sind lernten wir eine Lektion über die überall sichtbaren Tok-Tokki-Käfer. Diese bilden quasi die Wasserversorgung in den Dünen. Sie klettern im Morgengrauen auf die Spitze der Düne und machen einen Kopfstand. Ihr Körper ist so aufgebaut, dass sie damit aus der Luftfeuchtigkeit das Wasser absorbieren und so um 30% ihres Körpergewichtes zulegen können. Dieses Wasser bringen sie dann in bereits vorgebaute Nester mit Treibgut wie Samen. Weitere Einzelheiten bringe ich jetzt nicht mehr zusammen, würden euch sicher vorm Bildschirm auch einschlafen lassen.
Aber Zacki hat wieder etwas gefunden! Total unscheinbar, aber es sollte eine Höhle eines Geckos sein, welches dieser in der letzten Nacht gebuddelt hat, um den Tag darin zu verbringen. Kevin nahm den Sand vorsichtig weg und folgte den Gängen. Und siehe da: ein wunderschönes Exemplar kam zum Vorschein.

Penibel darauf bedacht, dass das Tier kein ihm ungewohntes Sonnenlicht abbekommt, wurde uns das (wie wir erfahren haben) Weibchen präsentiert.

Nach kurzer Zeit wurde es wieder in seinen Bau entlassen.
Spinnennester der Sun Dancing Spider im Sand wurden uns auch gezeigt, allerdings blieben diese unangetastet, da der neue Nestbau am Tag nicht zu schaffen gewesen wäre. Die Spinne wäre somit sicher verendet. Anders verhielt sich das allerdings mit den Sidewinder-Schlangen. Diese giftigen, aber nicht aggressiven Tiere buddeln sich rasch selber wieder ein.

Zum Abschluss noch eine Berg- und Talfahrt über die Dünen mit den Jeeps und dann ging es zurück.
Wieder zurück erwartete mich eine Überraschung. Ich hatte bereits am Vortag den Wunsch geäußert, das vor Ort angebotene Sandboarding auszuprobieren. Lisa ist derweil nicht nur faul am Strand auf und ab gewatet, sondern sie hat für diesen Nachmittag eben jene Action gebucht. Ich freu mich …




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