Da habe ich doch noch ein nicht unwichtiges Detail zur Grootberg Lodge vergessen. Hierzulande benötigt man einen Adapter zur Stromversorgung. Selbst mit einem normalen multifunktionalen Reiseadapter kommt man nicht weit. Auch wenn der verkaufswillige Anbieter verspricht, dass dieser in über 200 Ländern der Welt funktionieren würde. Namibia gehört gemeinsam mit Südafrika nicht zu der Großzahl an Ländern, da sich diese beiden Länder durch einen eigenen Standard hervorheben. In der Grootberg Lodge brauchten wir diesen allerdings in Ermangelung von Steckdosen nicht. Ja richtig, es gab keine einzige Steckdose in den Unterkünften. Nicht einmal im Bad.
Lediglich an den Lampen am Bett ist jeweils eine USB-A Buchse verbaut. Da wir nur ein einziges Kabel dabei haben, welches USB-A auf USB Typ C kann, mussten wir zwei Tage lang alle Geräte, somit Laptop, Tablet, Powerbanks und 2 Handys über dieses eine Kabel laden. Hat aber geklappt . Das obligatorische Wlan war vorhanden aber ebenfalls rudimentär. 200 MB waren frei, dann musste man sich einen Voucher mit neuem Code kaufen. Allerdings bedeutet das auch 200 MB für jedes Gerät. Das wir davon einige netzwerkfähige dabei haben, habe ich bereits bei der Steckdosenproblematik erläutert. Die Datenübertragung war allerdings so unbeständig und bereits von Grund auf langsam, dass das Beiträge schreiben absolut keinen Spaß machte. Es zeigte auch unvermittelt an, dass das Freivolumen aufgebraucht ist, obwohl noch kaum Traffic lief. Ein kurzer Versuch brachte aber zu Tage, dass die Pay-Voucher in fortlaufender Reihenfolge codiert sind. Somit war dieses Teilproblem gelöst. Ich will damit nur zum Ausdruck bringen, dass es schwierig war, für diesen Blog am Ball zu bleiben. (Anmerkung von Lisa: Luxusprobleme!)

Rhino-Pirschfahrt

Am ersten Abend nach dem Abendessen kam der Ranger der Anlage zum Verkaufsgespräch der jeweiligen Ausflüge an die Tische. Uns interessierten Pirschfahrten, um Nashörner oder Elefanten zu sehen. Hatten wir ja beides bislang noch nicht in freier Wildbahn erleben dürfen. Nach Bekanntgabe der Startzeiten mit Treff 05:30 Uhr war zumindest die Ehefrau nicht mehr interesseiert. Nicht gerade motivationsfördernd war die Tatsache, dass es bei Weitem keine Garantie für Sichtungen der Tiere gibt und die Strecke sehr! bumplig ist. Also lehnten wir ab.

Wie es dann so kam, war meine Nacht gegen 4 Uhr vorbei. Leute, werdet bloß nicht alt, das kommt immer häufiger vor. Da dachte ich mir, was solls, kannst bestimmt noch spontan teilnehmen, was erleben und womöglich interessante Grundlage für Traffic hier schaffen. Und so war es auch, es war noch ein Platz für mich frei. Nach einem kurzen Frühstück ging es schon los. Es blieb sogar noch Zeit, der noch schlafenden Frau heißes Wasser für den ersten Kaffee im Bett zu bringen.
Dann nahm ich auch schon hinten im Jeep neben Co-Guide Johannes Platz. Noch eine kurze Anmerkung zum Namen. Die schwarzen Namibier geben sich gern europäische Vornamen. Eine kleine Anekdote aus einem der zuletzt besuchten EuroSpar-Märkte fällt mir da ein. Zwei (schwarze) Einheimische treffen sich dort neben uns: „Hey Wolfgang, are you?“ „Oh, fine. Manfred, nice to meet you!“

plus 2 Decken

Johannes war eigenartig gekleidet. Es fühlte sich oben auf dem Berg nach angenehmen 15°C an. Und er in zwei Decken gehüllt.

Kaum das Camp verlassen und immer weiter ins Tal hinein fahrend, erschloss sich der Grund seiner Kleiderwahl immer mehr. Die Temperaturen sanken rapide. Bis zum Sonnenaufgang auf einem kleinen Plateau blieb das auch so.

Die Grootberg Lodge vom Tal aus

Die Fahrzeit betrug bis dahin bereits über eine Stunde. Die Wege wurden immer steiler und steiniger. Der Toyota Landcruiser kann so einiges, kam aber an dem Tag hin und wieder an seine Grenzen.

Sonnenaufgang


Nach einer weiteren Stunde Fahrzeit stoppte der Fahrer plötzlich und sagte „Rhino tracks.“ Die beiden Co-Guides sprangen aus dem Wagen, jeder steckte eine Wasserflasche und eine Fanta ein und daraufhin folgten sie den Spuren. Wir fuhren derweil ein paar Aussichtsplattformen an und genossen die Umgebung. Immer wieder änderten wir die Location. Fuhren hin und wieder zurück. Über Funk war der Fahrer mit Johannes und seinem Kollegen im permanenten Austausch.

Spurensucher

Bei einem der Stopps fragte ich den Fahrer etwas aus. Im ganzen riesigen Gebiet gibt es noch 7 von ehemals knapp 70 Rhinozerossen. Der Rest ist Wilderen zum Opfer gefallen. Und das nur wegen des Horns, welches zu Pulver zermahlen in Ostasien und im mittleren Osten als Potenzmittel gilt. Dabei ist das nichts anderes als der Stoff, der in menschlichen Finger- und Fußnägeln sowie im Haar enthalten ist, nämlich Keratin. Die hohen Schwarzmarktpreise lassen die Wilderer das Risiko einer 25-jährigen Haftstrafe eingehen. Schlimmer ist noch, dass diese Tiere nur wegen eines zweifelhaften Mythoses vom Aussterben bedroht sind.
Stunden vergingen so. Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Unterfangens machten sich breit.

Sollte das die einzige Nashornsichtung des Tages bleiben?

Auf einmal die freudige Nachricht „They found fresh poop from the rhino!“ Noch einen weiteren kurzen Ortswechsel später die gewisse Bekanntgabe, dass sich Alex (mittlerweile war wohl klar, dass es sich um den so getauften Bullen handelt) in unmittelbarer Nähe aufhalten muss. Und siehe da: Im Schatten eines kleinen Baumes stand das Tier und ließ sich begutachten.

Wir sollten sehr leise sein. Nashörner sehen zwar ungefähr so schlecht wie ein auf die 50 zugehender Mann, haben dafür aber ein exzellentes Gehör. So blieben wir trotz Geflüster von Alex nicht unbemerkt. Seine Frau heißt übrigens Sophia und die Tochter Maria. Ein weiteres Jungtier hätte noch keinen Namen bekommen.

Nach reichlich 15 Minuten Fotosession war Alex von allen Seiten, die er zeigen wollte reichlich abgelichtet und wir traten den Rückweg an. Dieser sollte auf kürzerem Weg raus aus dem Reservat und dann die Hauptstraße zurück gehen. Unendliche Durchquerungen von trockenen Flussläufen mit gehöriger Bandscheibenquälung später machten wir Mittagsrast. Dafür wurden Bulletten, Hähnchenschenkel, Coleslaw und Nudelsalat auf einem mitgebrachten Tisch ausgebreitet. Die gefahrene Strecke war echt heavy für menschliches und fahrbares Meterial.

Die spitzen Steine setzen den Reifen zu

Die Ansage, dass wir dann nur noch 2 Stunden benötigen würden, sollte sich als wahr herausstellen.

Als Fazit bleibt bewunderns festzuhalten, wie die Jungs das Tier in diesem unbeschreiblich großen Gebiet lokalisieren und finden konnten. Ob dieser Zeitaufwand, die körperlichen Strapazen und das zeitige Aufstehen das ganze Unternehmen rechtfertigt, diese Frage stellte sich nur kurz.

Gegen 15 Uhr hatte Lisa ihren Mann aus dem Busch zurück.

Hinterlasse einen Kommentar

Search

Latest Stories