Am Sonntagnachmittag stellte meine reisebegleitungserfahrene Ehefrau fest, dass wir in unserer nächsten Unterkunft einen bereits vorgebuchten Safaritrip im Etosha Nationalpark haben sollten. In unseren Reiseunterlagen steht morgens oder nachmittags. In der Tourlane-App ist auf einmal 7:00 Uhr morgens vermerkt. Da wir noch auf dem Grootberg übernachten und eine Reisezeit von 4 Stunden angegeben ist, wird das schwer. Erinnert sei hier auch noch an das Tagfahrgebot!
Also entsannen wir uns an die Aufforderung unserer Ansprechpartnerin Katrina, dass sie bei jeglichen Problemen schnell zur Hilfe bereit ist. Wir schrieben eine Whatsapp mit der Diagnose unseres Problems und sie hat sich dann noch spät in der Nacht um alles gekümmert. Neuer Termin: 14 Uhr. Super und danke an dieser Stelle.
Nach dem Frühstück haben wir dann die mit fantastischer Aussicht aber ohne individuelle Stromversorgung bestückte Lodge per Zubringer-Jeep zum Fahrzeug verlassen. Die Reise führte zur Toshari Lodge vor den Toren des Etosha Nationalparks. Die Straßenverhältnisse waren ungewohnt gut, sodass wir die Strecke in drei Stunden schafften und bereits vor dem Mittag ankamen. Es erwartete uns wiederum eine weitläufige Anlage mit luxuriösen Unterkünften.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, erwartete uns Ronaldo zum Trip in den Park. Er ist echter Toshari, dort geboren und direkt hinter dem Anderson-Gate zur Schule gegangen, wie er uns stolz berichtete. An diesem Eingang saßen auch mehrere Himba-Frauen in standesgemäßer barbusiger Tracht mit auffällig bunten und geflochtenen Haaren.
Wir passierten den Eingang (das besagte Anderson-Gate) und fuhren weiter bis zum Okaukuejo-Fort, wo die Tickets für den Park gekauft werden müssen. Auf dem Weg dorthin (17 km vom Anderson-Gate entfernt) grüßten bereits zahlreiche Giraffen und ein ausgesprochen schönes Rhinozeros.


Weiter ging die Tour zu den verschiedenen, größtenteils künstlich angelegten Wasserlöchern. Diese Wasserlöcher sind der Grund dafür, dass sich die Population aller Tierarten mittlerweile wieder auf einem sehr befriedigenden Niveau eingepegelt hat, nachdem die Jagd verboten und dieser Park unter besonderen Schutz gestellt wurde. Dies geschah bereits 1908.
Gleich am ersten Wasserloch konnten wir große Herden Springböcke, Oryx, Zebras und auch Elefanten bestaunen. Endlich kann ich auch das bereits versprochene Bildzeugnis der überall im Land vorhanden Springböcke zeigen. So nah und fotogen sind die uns bislang nicht vors Auge gekommen.


Ein großer sehr heller Elefant besetzte konsepuent einen Teil des Wasserloches und vertrieb jedes sich auch noch so zaghaft nähernde Zebra. Uns zeigte er auch lange nur sein voluminöses Hinterteil. Irgendwann entschied sich der paarungsbereite Bulle dann doch noch, sich als Model zu betätigen und sogar regelrecht fürs Foto zu posen. Dass der Testosteronspiegel enorm hoch ist, ist an einer dunklen Färbung an den Wangen zu erkennen – so konnten wir von Ronaldo lernen. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass die Tiere in dieser Phase auch unerwartet aggressiv reagieren können und daher Vorsicht angeraten ist. Jedenfalls lies sich dieser stattliche Elefantenbulle nicht weiter stören. Bevor er aber das Wasserloch verlassen und für die Zebras und Antilopen frei machen sollte, veredelte er die Oase noch mit kleinen und großen Geschäften und zog dann gemütlich und scheinbar zufrieden von dannen.

Löwen sollen an dieser Stelle auch häufig zu sehen sein. Allerdings nicht um diese Zeit, sondern erst, wenn es gegen Sonnenuntergang etwas frischer wird. Zu diesem Zeitpunkt herrschten gut 40° im Schatten. Als wir dann zum nächsten Wasserloch fuhren, hielten wir an einer kleinen Brücke. Ronaldo hupte mehrfach kurz und träufelte Wasser durch kleine Löcher der Brücke. Die Löwen halten sich tagsüber oft direkt unter diesem Schattenspender auf und so sollte versucht werden, diese raus zu locken, allerdings erfolglos.
Mehr Glück hatten wir im weiteren Verlauf der Fahrt. Immer wieder Strauße, Giraffen, Gnu, Springböcke, Zebras und Elefanten waren mal mehr mal weniger weit von der Straße entfernt zu beobachten.





Dann kam auf einmal eine ganze Herde Elefantenkühe mit vielen Jungtieren aus dem Busch über die Straße. Diese absolvieren ihr allabendliches Ritual, welches in einem Besuch des Wasserloches bestand. Die Kleinen müssen ja bettfertig gemacht werden. Wir konnten nicht zählen, wie viele dieser Dickhäuter gemütlich den Weg durch das Gebüsch nahmen. Wir waren so überwältigt, aber 30 waren es bestimmt. Bei den Jungtieren war alles von ganz klein bis zu fast ausgewachsen und offensichtlich schon nahezu geschlechtsreifen Bullen dabei. Dieser muss sich wohl bald seine eigene neue Familie suchen. Nützliches Randwissen hierzu: Eine Schwangerschaft dauert beim Elefanten 22 Monate. Mit diesen fast 2 Jahren handelt es sich um die am längsten tragende Tierart an Land.

Ronaldo informierte uns wissend, dass die Herde in gut 15 Minuten am Wasserloch sein wird. Wir begaben uns also dahin und parkten am Wasserloch. Gute 500 Meter entfernt endete der Busch und eine Steppe schloss sich an. Es war imposant zu sehen, wie sich die große Familie aus dem Busch begab und gemächlich auf uns zuwalzte. Mit unserer rudimentären Fotoausstattung ist das nur bedingt einzufangen.
Wir konnten die ganze Familie allerdings ausgiebig beim Badetag am Wasserloch beobachten.

Es war ein fantastisches Schauspiel zu beobachten, wie dann die ganze Herde im Staub des Abendlichtes von dannen zog.


Auf unserem Rückweg passierten wir noch einmal das zuerst besuchte Wasserloch und bekamen nun in gebührendem Sicherheitsabstand die immer noch faulen Löwen zu Gesicht.

Nun hieß es Gas geben, um mit leichter Überschreitung des gültigen Tempolimits von 60 km/h die gut 20 km zum Ausgang des Parkes zu schaffen. Pünktlich zum Sonnenuntergang schließen die Tore und wer sich dann unrechtmäßig noch im Etosha aufhält, hat mit saftigen Strafen zu rechnen. Glücklich über das Erlebte labten wir uns dann am reichhaltiges Grillbuffet aus allem möglichen Wildgrillgut.


Wobei grillen in Namibia Braai heißt und von der gesamten Bevölkerung ausgiebig, gern und häufig zelebriert wird. Normalerweise wird dabei keine Holzkohle verwendet, sondern als Hitzequelle dient normales Holz , voranging des Kameldornbaumes, welches erst auf der Grillstelle zu Kohle wird, um dann das Fleisch zu grillen.




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