Nach der ersten Nacht in der Kalahari Wüste im bereits erwähnten Himmelbett schloss sich ein extrem spannender und interessanter Tag an. Bei der Kalahari handelt es sich um ein fast 100.000 km² großes Gebiet, welches streng genommen gar keine Wüste ist, sondern eine Dornenstrauchsavanne. Diese erstreckt sich vom Norden Südafrikas über Namibia und Botswana bis hin zu den Victoria-Wasserfällen. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 1.000 Metern über dem Meeresspiegel. Aufgrund der vorherrschenden Trockenheit besteht die Flora aus zumeist flachen Dornenbüschen und kleineren bis mittelgroßen Bäumen unterbrochen von reinen Ödflächen.


Nach einem ausgiebigen Frühstück (es war wirklich ausführlicher, als es auf dem Bild aussieht) begaben wir uns auf eine erste Safari. Vom Camp aus brachen wir zu Fuß auf. Es gab mehrere Trails mit unterschiedlicher Länge zur Auswahl. Da diese miteinander kombinierbar sind, keimte beim lauffaulen Schreiberling noch die Hoffnung, nicht die gesamten über 9,5 km latschen zu müssen. Insgesamt sind das ja dann mehr als 10 km. Der Weg zum Trail zählt ja schließlich dazu. Der Motivationseinwand der Ehefrau, dass das ja nur gut 2 Stunden wären, wurde zunächst geflissentlich überhört.

Zunächst passierten wir eine Befestigung mit Grillstelle und rudimentären Sanitäreinrichtungen. An dieser können Safaristen mit ihrem Fahrzeug und den weitverbreiteten Dachzelten oder einfach nur im normalen Bodenzelt nächtigen. Dies hat den Charme, dass man dort komplett abgeschieden von der Zivilisation und die Lichtverschmutzung auf ein Minimum reduziert ist. Wir konnten dieses Feeling bereits bei einem kürzeren Spaziergang am Vorabend bei kompletter Dunkelheit erahnen. Für etwas Orientierung sorgte dabei nur ein Headlight. Die Stille, welche nur durch die Naturgeräusche untermalt wird und der Sternenhimmel sind atemberaubend.
Zurück zum aktuellen Tag. Den Weg säumten viele bis zu 1,5 m hohe Termitenhügel und unzählige Erdmännchenlöcher. Leider ließ sich keins der putzigen Tierchen blicken.
Den ersten Abzweig des Straußen-Trails hatten wir ohne Tiersichtungen bereits abgewandert. Endlose Weite vor, hinter und neben uns. In der Ferne war so etwas wie eine Weide zu sehen. Standen die Sträucher nicht eben noch etwas anders? Ein Blick durch das mitgeführte Fernglas ließ dann erkennen, dass es sich offensichtlich um eine Herde Zebras handelt. Passt ja auch. Wir sind im Zebra Trail! Der erste leicht aufkommende Frust, dass sich keins der erwarteten Tiere zeigt, war plötzlich verflogen. Planänderung zur Wegführung wurde diskutiert aber vorerst wieder verworfen. Immerhin waren die monochromen Pferde mehr als 1 km entfernt. Also weiter auf dem Weg. Und da, noch etwas auffälliges in ähnlicher Entfernung aber anderer Richtung. Das Fernglas ließ Oryx-Antilopen vermuten. Das namibische Wappentier verrät sich durch die langen Hörner. Auch ein Strauß ließ sich erahnen. Da sich dieser auch im Bereich des Oryx-Trails befand, lässt die Vermutung aufkommen, dass es die Tiere mit dem ihnen laut oben stehenden Trail-Plan zugewiesenen Wohnzimmer nicht so genau nehmen. Aber das soll uns ja nur recht sein. Wir folgten dem Weg weiter bis Abzweig des Oryx-Trails. Die Ehefrau drängte weiter darauf, uns doch näher zur Zebraherde zu begeben. Dem schlossen sich die Kniee des Verfassers an. Immerhin spart das drei Kilometer Fußweg. Somit bedeutete dieser Punkt die Rückkehr.
Die Vegetation ändert sich immer wieder urplötzlich. Waren eben noch lediglich kleine blätterlose Sträucher, welche dafür mit fiesen Dornen ausgestattet waren, lösten sich diese mit dichterem Graß und Büschen mit dicken fleischigen Blättern ab. Dies ging auch zumeist mit Farbänderungen des Bodens von ocker bis dunkel-orange einher.
Immer wieder gab es riesige Vogelnestersiedlungen in den wenigen Bäumen. Mitunter nehmen diese einen Großteil der Krone des Wirtsbaum ein. Das witzige daran ist, dass die Eingänge zu diesen Nestern zum Schutz vor Fressfeinden von unten angeflogen werden.





Als wir gerade wieder einen solchen Baum bestaunten und dabei von einem ganzen Schwarm der piepsenden kleinen Bewohner umschwirrt wurden, stellten wir fest, dass die Zebra-Herde gar nicht mehr so weit von diesem Punkt entfernt ist. Gar nicht weit bedeutet ungefähr 500 Meter. Diese Strecke war immer wieder von Buschreihen unterbrochen, sodass wir es wagten, uns etwas anzupirschen. Die Aufregung und Freude erhöhte sich von Deckungslinie zu Deckungslinie, die wir der Herde näher kamen. Wir konnten mittlerweile erkennen, dass auch Fohlen dabei waren. Trotz des günstigen Windes, welcher von der Herde her zu uns herüber wehte, blieben wir selbstverständlich nicht unentdeckt. Aber wir wurden immer mutiger. Eine kurze Aufruhr in der Herde als der männliche Trampel unseres Duos zu forsch wurde und einen Ast zertrat brachte diese wieder gut 50 Meter von uns weg. Allerdings war noch ein weiteres Gebüsch zwischen uns. Wir wurden wieder vorsichtiger und schlichen uns in freudiger Erregung weiter an. Nachdem wir noch ca. 50 Meter entfernt waren, zählten wir ganze 30 dieser wunderschönen Tiere.
Allerdings waren wir auch nicht die einzigen Homo Sapiens. Ein anderes Pärchen hatte die Herde ebenfalls entdeckt. Wir hatten vorausschauend Glück in unserer Kleiderwahl aus gedeckten Farben. Das Männchen dieses Pärchen hatte offenbar wenig Ahnung von Safari. Im leuchtend grünen Rucksack und auffälliger restlicher Kleidung schlich sich dieser ebenfalls aus anderer Richtung an die Herde an und sorgte schlussendlich dafür, dass sich die Zebras auf den Hügel der Düne zurückzogen. Touris halt 😉


Also gingen wir wieder zurück zum Camp. Und dabei konnten wir eine weitere Sichtung erleben. Schon fast wieder am Camp standen auf einmal drei Elandantilopen nicht weit vom Weg beim grasen. Beim Eland handelt es sich um die größte und schwerste Antilopenart (Schulterhöhe bis 1,5 m, Gewicht bis zu 1 Tonne). Das Fleisch schmeckte am Vorabend als Goulasch verarbeitet vorzüglich. In der Hoffnung, dass diesem Trio der kulinarische Frevel an einem Artgenossen nicht bekannt ist, schlichen wir uns an. Kurz von uns Notiz genommen, widmeten sich die drei schönen Exemplare weiter der Nahrungsaufnahme. Als wir ihnen dann wohl doch etwas zu nah kamen, stellten sie das Fressen ein und gingen wohl etwas genervt auf die andere Seite des Weges. Wir akzeptierten, dass sie ungestört sein wollen und kehrten mit tollen Eindrücken in die Lodge zurück.



Mit 2 Stunden Lauf lockte Lisa zu diesem Spaziergang. Die Zeit verdoppelte sich zwar aber es war eine fantastischer und kurzweiliger Einstieg in die Safaris. Für den Abend ist schon eine Sundowner-Fahrt im Jeep gebucht. Wir freuten uns nun schon darauf und auch dem Leser kann ich jetzt schon tolle Eindrücke versprechen. Also bleibt dran, mehr dazu im nächsten Beitrag.




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