Kurz nach unserer Abreise kam Maik auf die Idee, diesen Blog auf die Beine zu stellen und war die ersten zwei Tage sehr damit beschäftigt, das „Ding“ irgendwie zum Laufen zu kriegen. Und wer Maik kennt, der weiß, wenn er einmal bei irgendetwas Blut geleckt hat, dann gibt er sich nicht mit dem Minimum zufrieden. Nein, dann muss es richtig gut werden. „Na toll, habe ich gedacht“, das kann ja heiter werden. Guckt der auch mal, was hier rund um uns herum passiert und wie schön das alles ist oder entwickelt er sich jetzt zum WordPress-Spezi und verbringt seinen Urlaub mit Patrick? (Liebe Grüße an Dich und Danke auch von mir 🙂
Tja…jetzt reisen wir schon 10 Tage durch dieses faszinierende Land und ich denke (schon eine Weile) – toll gemacht, Ehemann! (auch wenn es manchmal ein bisschen nervt, wenn Du schon früh um 6 Uhr mit den Tasten klackerst)
Klar, ich hätte wieder ein Reistagebuch geschrieben aber so ist es viel besser und schöner. Wir können unsere unzähligen Eindrücke viel besser festhalten und verarbeiten. Außerdem ich habe mitbekommen, wie viele Leute uns auf dieser Reise begleiten und „mitfiebern“ und auch das ist wunderbar! Daher an alle Leser – Danke, dass ihr dabei seid, feedbackt und mit uns reist.
Viele, viele Eindrücke. Das ist der Grund, warum ich heute schreibe und nicht Maik. Nach 10 Tagen bin ich so voll mit Erlebnissen und Impressionen, dass ich zu dem Mann an meiner Seite gesagt habe: „Du musst heute mal alleine los, ich brauch´ ein paar Stunden für mich und muss mal nix machen, außer verarbeiten.“ Und was sagt der beste Ehemann von allen? „Geht klar, dann schreibst Du aber heute was für den Blog.“ Also habe ich Maik in die Wüste geschickt (absolut in echt!), sitze ganz gemütlich im Zimmer und schreibe ein paar Zeilen.
Namibia ist beeindruckend, ein Naturspektakel jagt das nächste. Man kann sich kaum satt sehen – an den Wüsten, dem Meer, den Tieren, der Weite, den sich wechselnden Landschaften, kurzum – einfach an allem. Die grandiose Natur ist natürlich das eine aber mich interessieren und beschäftigen auch immer die Menschen und die Gesellschaft. Das ist für mich genauso wichtig(er?) wie(als?) die Natur. Und da hat irgendetwas von Anfang an bei mir gehakt und ich habe ein paar Tage gebraucht um konkret sagen zu können, was mich stört. „Namibia ist im Süden von Afrika ein Land von Weißen für Weiße“ – behaupte ich und dabei ist diese Aussage natürlich meine absolut subjektive Ansicht und kann sehr gern widerlegt werden – das wäre sogar schön.
Im Folgenden spreche ich der Einfachheit halber von „Schwarzen“ und „Weißen“. Seht es mir nach, falls ihr das als politisch nicht korrekt empfindet.
Vor ca. 20 Jahren (Hilfe!) waren meine Schwester, mein damals vierjähriger Sohn (liebe Grüße an Euch zwei!) und ich in Westafrika, Ghana und Togo. Beides Länder voller Gewusel, Lebensfreude (trotz Armut), bunten Märkten und Musik. Wir waren ein paar Weiße zwischen Schwarzen, Besucher im Land der dort lebenden Bevölkerung. Wir konnten uns frei bewegen, abends in eine Bar gehen und waren mittendrin und in Kontakt mit den Locals. (Klar, Langfinger gab es und aufpassen mussten wir auch – wie überall.) Hier gibt es vom Gewusel und einem bunten Treiben nichts sichtbares bzw. nichts, dass wir einfach so erleben könnten. Der Grund ist die Apartheid, die immer noch nachwirkt und die Gesellschaft absolut nachhaltig verändert hat. 1946 wurde Südafrika als Mandatsmacht für Namibia eingesetzt und hat die Separierung der weißen und schwarzen Bevölkerung exzellent vorangetrieben. Errichtung von sogenannten homelands (Ghettos?), in denen dann die einheimische Bevölkerung leben musste und Verteilung des Farmlandes an die Weißen (70%) hat Maik ja im Zusammenhang mit Katatura (Windhoek) teilweise schon beschrieben. Dieser gravierende Einschnitt wirkt bis heute nach. Die Schwarzen leben in Siedlungen (die nicht nur arm sind!, chice Häuser gibt es auch da) und bleiben dort unter sich. Als Touri gehst Du dann nicht einfach in so einen township (wo dann die von mir vermissten Märkte, Gewusel und Musik sind) auf einen Drink. Nein, nein – da fährst Du mit einem gebuchten Guide durch ein solches Viertel und fühlst Dich wie ein Zoobesucher…Nicht gut, gar nicht gut.
Heute ist es immer noch so, dass die Farmen, die großen Unternehmen, Banken etc. in weißer Hand sind und die Schwarzen den Großteil der Angestellten (auch in leitenden Positionen) und Arbeiter stellen. Es entsteht wohl eine schwarze Mittelschicht und wenn wir in den weißen Stadtteilen essen gehen, sitzen neben uns auch schwarze Familien am Tisch und die Kinder kleben an ihren Handys, da bewegt sich also etwas. Andersherum ist es aber leider nicht so, dass Weiße in die Townships essen gehen können oder wollen…
Es gibt Diskussionen über Landenteignungen und Landverteilungen. Die Nachbarländer, wie Simbabwe, haben es vorgemacht und sind in Bürgerkriegen versunken. Namibia will das vermeiden und sucht einen friedlichen Weg. Es bleibt Namibia zu wünschen, dass sie gemeinsam die Kluft überwinden, bereit sind viele, Schwarze wie Weiße.
Und wir? Was machen wir? Wir fahren durch das Land, bestaunen die Natur und genießen die Unterkünfte, die allen europäischen Komfort und Luxus, egal ob in der Stadt oder in der Wüste zu bieten haben. Alle Bediensteten sind schwarz und bringen sich fast um vor Höflichkeit und zuvorkommendem Service. Könnt ich manchmal heulen. Und was sagt der prosaische und beste Ehemann von allen? „Lisa, jetzt ist mal gut. Sollen sie gar nicht arbeiten und mit dem verdienten Geld und dem Trinkgeld, das wir reichlich geben, eine bessere Zukunft aufbauen? Die Weißen sind keine Sklavenhalter mehr, sondern Farmer in vierter und fünfter Generation, die nichts für das Unrecht der Väter können. Der immer stärker werdende nachhaltige Tourismus, der hier vorangetrieben wird, sorgt für Jobs und sichert so die Zukunft für das ganze Land.“
Ja ja, hat er ja Recht. Auch ich sehe das Miteinander und die Entwicklung eines gemeinsame Namibias. Es sind alles stolze Namibier, egal ob schwarz oder weiß. One nation, wie sie sagen.
So, genug gedacht, ich muss jetzt duschen…mit warmen Wasser in der Wüste…vom schwarzen Heizer gewärmt, in einem tollen Haus, das einem weißen Italiener gehört….hab ich das jetzt laut gesagt?





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