Wie bereits befürchtet, lies das Wetter am Dienstag keinen Ausflug ins Sossusvlei zu. Es gab so starke Sandstürme, dass der gesamte Nationalpark im Tal gesperrt war.

Blick auf den Sandsturm von der Lodge aus

Sollten solch starke Stürme unerwartet auftauchen, wird dringend empfohlen, das Fahrzeug mit dem Heck in die Windrichtung zu stellen. Der Sand verwandelt sonst die Frontscheibe in Milchglas.

Also blieb ich in der Unterkunft und ruhte mich zum ersten Mal in diesem Urlaub wirklich aus. Die Ehefrau ist mit den beiden Italienerinnen in ein anderes Tal zum wandern gefahren und ich betätigte mich als Autor, um die Erlebnisse der letzten Tage ins Netz zu stellen. Als der Sturm etwas nachließ, kam auch tierische Gesellschaft.

Sogar Einhörner gibt es hier 😉

Der Mittwoch war eigentlich als kompletter Roadtrip-Tag geplant, immerhin hatten wir mit gut 400 km eine recht lange Etappe vor der Brust. Aber die oben geschilderte Ereignisse des Vortages ließen uns umplanen. So wurde mit Jamal, dem Guide vom Sundowner am Montag Start 6:15 Uhr vereinbart. Wir fuhren in Kolonne bis zum Eingang des Nationalparks Sossusvlei und parkten unser Auto. Von dort aus konnten wir dann nach dem Besuch gleich weiter in Richtung unseres nächsten Zieles Swakopmund starten. Kolonne deshalb, weil die beiden Italienerinnen es uns gleich taten.

Noch eine witzige triviale Anmerkung. Sossus heißt in der Sprache der San Pfanne. Vlei heißt auf afrikaans ebenfalls Pfanne. Somit nennt sich das Gebiet sprachenübergreifend Pfannepfanne.

Den Sonnenaufgang erlebten wir somit auf der 45 minütigen Fahrt. Unterwegs salutierten wiederum majestätische Oryx am Straßenrand. Selbst ein Stachelschwein bekamen wir zu Gesicht. Auch Strauße waren recht nah am Straßenrand.

Nachdem wir wie geplant das Fahrzeug abgestellt hatten, stiegen wir in den Jeep um. Pünktlich zur Öffnung des Parkes standen wir am Tor und los ging es. Prächtige Dünen erhoben sich beiderseits der Straße und wurden von der aufgehenden Sonne in ein traumhaftes Licht- und Farbenspiel gehüllt. Im Minutentakt änderten sich die Schatten und die Farbgebung.

Nach 45 km erreichten wir die durch die Entfernung namensgebende Düne 45. Diese ist begehbar und ca. 120 Meter hoch. Die Damen im Fahrzeug wollten allerdings allesamt Big Daddy besteigen, mit 360 Metern gilt diese als höchste Düne auf unserem Planeten. Da noch guter Dinge und dem Willen beseelt, keine Schwächen zu zeigen, fand ich auch keine Widerworte.

Düne 45

Auf dem weiteren Weg wurde dann auch klar, warum da nur Allradfahrzeuge zugelassen sind. Das Geläuf wurde immer tiefer, mit unserem frontgetrieben SUV wäre es zumindest schwierig geworden.

Vor Big Daddy angekommen, wurde erstmal in Gesellschaft eines Schakals gefrühstückt.

Gestärkt traten wir den Marsch auf die 360 Meter hohe Düne an. Unterwegs zeigte uns Jamal wieder ein Beispiel der anpassungsfähigen Natur. Ein total vertrockneter Strauch öffnet nur mit ein paar Tropfen Wasser benässt, innerhalb von Sekunden seine Blüten und erwacht so zu neuem Leben. In einer Gegend. wo es nie regnet und auch enorm wenig Luftfeuchtigkeit herrscht.

Vorn die benässten Teile der Pflanze

Dann weiter im beschwerlichen Anstieg. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es leider nicht bis ganz hoch geschafft habe. Womöglich am Anfang zu schnell los, womöglich schlechte Tagesform, womöglich das Alter. Ich musste abbrechen. Wer mich kennt, weiß, welche Schmach das bedeutet. Aber der Ausblick war wiederum famos.

Blick ins Deadflei

Also den Abstieg ins sogenannte Deadflei. Dort stehen Bäume, die bereits seit Jahrhunderten abgestorben sind, da ein vormals dort fließender Fluss von den Dünen abgeschnitten wurde und die Bäume so absterben ließ. Allerdings denken die nicht daran, sich dem Verwesungsprozess anheim zu geben. Es fehlt schlicht und ergreifend die Luftfeuchtigkeit. So stehen diese Baumskelette in einem malerischen Wald und bilden einen gigantischen Kontrast mit der lebensfeindlichen Umgebung. Aus unzähligen Fotos, stelle ich hier eine kleine Auswahl zur Verfügung.

Nunmehr bat Jamal zu Tisch. Feuchte gekühlte Handtücher zum Erfrischen bedeuteten Luxus und totale Erfrischung, bevor wir unseren Lunch verspeisten. Die Zeit drängte. Wir mussten zurück zum Ausgang des Nationalparks. Immerhin lagen Angaben gemäß noch 5-6 Stunden Fahrt vor uns. Wir wussten auch noch nicht, wie die Straßenverhältnisse auf dem gut 400 km langen Stück sind.
Wir spürten dann, was hier unter african massage gemeint ist. Die Fahrbahn glich zum größten Teil einer Buckelpiste. Langsam drüber fahren macht nicht viel Sinn, da dies das Leiden nur verlängert. Also besser mit angepassten 80-100 km/h über die Querrinnen „springen“. So schafften wir die Strecke nach Swakopmund in reichlich 4 Stunden. Die letzten 150 km führten durch die trostloseste Gegend, welche wir bislang in Namibia gesehen haben. Schnurgerade Straßen durch einen absolut eintönigen Teil der Namib. Riesige Ebenen beidseitig der Straße ohne einen Strauch, geschwiege denn einen Baum, der zu einer Rast einlud. Irgendwann erreichten wir dann die Hafenstadt Walfish Bai. Noch bis 1994 als britische Enklave mit Tiefseehafen bildet diese das industrielle Herzstück des Landes und passt sich so der Trostlosigkeit der Zuwegung an. Ab dort ging es dann die letzten 30 km nach Swakopmund. Vormals das südlichste Seebad Deutschlands.

Eine Antwort zu „Sossusvlei und Deadvlei”.

  1. wieder mal sensationelle Bilder… Der Schakal wär was für mich 🙂

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