Irgendwie hatte ich schon immer den Wusch, mal nicht im Winter zu boarden, sondern das auch mal im Sommer ohne die dicken Klamotten zu tun. Was liegt da näher, als das im Sand zu machen? So eine Düne runter ist ja sicher vergleichbar mit frischem Powder, dachte ich. Wie bereits geschrieben, wird das hier angeboten und meine liebe Ehefrau hat es für mich gebucht.
Halb drei nachmittags wurden wir in einem alten VW T3 von Beth abgeholt. Beth ist an die 60 und stammt ursprünglich aus Kalifornien. Ihr Aussehen und der restliche Habitus erinnert immer noch an Palm Beach. Lange blonde Haare wehen im Wind, die Haut sonnengegärbt und einen ebenso sandblonden zotteligen Hund namens Zeck. Und das alles im alten VW Bully. Zu spät kam sie auch, aber was solls, sie kam immerhin.
Unterwegs erzählte sie noch, dass sie nachmittags eigentlich keine Touren machen aber heute wären eh noch welche angemeldet, die das ganze mit einer Quad-Tour durch die Dünen verbinden.


Am Spot angekommen, begrüßten uns neben drei weiteren Boys noch ein T3. Die Boards und die Boots waren schön aufgereiht und es sollte schon los gehen. Aber: Alle Boards auf regular eingestellt. Indem ich mitteilte, dass ich goofy fahre (für Nichtboarder – das bedeutet, den rechten Fuß vorn) verlangte ich nach einem Schrauber um die Bindung umzustellen. Das war auch schnell erledigt. Jetzt kam der Punkt, auf den ich eigentlich keinen Bock hatte und die Erinnerung an die abgebrochene Dünenbesteigung vom Vortag wieder schmerzte. Der geneigte Alpensnowboarder wird bequem mit dem Lift nach oben gebracht. Aber da ist logischerweise weit und breit keiner zu sehen. Also ermahnte ich mich, es heute ruhiger angehen zu lassen. Das Problem beim Besteigen von Sanddünen ist, für jeden Schritt den man bergauf setzt, klaut der Sand in gemeiner Zwietracht mit der Schwerkraft wieder die Hälfte. Ich habe es aber den fiesen Streitgenossen gezeigt und die Spitze der Düne erklommen. Einer der Guides briefte mich. Aufgrund von starkem Wind und immenser Sprachgeschwindigkeit verstand ich von seinem Englisch wenig, um kurz darauf festzustellen, dass er sehr passabel deutsch kann. Aber das Wichtigste war: ähnlich wie Tiefschnee fahren, aber nicht ganz so viel Rückenlage und vor jedem Run das Board mit einem Spezialwachs ein und dann mit Sand wieder abreiben.
Und schon ging es los …


Ging doch schon mal ganz gut für den ersten Versuch! Jetzt hieß es nach 20 Sekunden Spaß wiederum 15 Minuten bergauf mit den vorhin bereits beschriebenen Strapazen. Aber es ging jetzt bedeutend besser.
Den zweiten Versuch hat Lisa auch gefilmt. Aber der Sturz sah da nicht so elegant aus, daher lasse ich das Video hier weg. Der offizielle Grund ist allerdings, dass hier ganz schlechtes Internet ist und der Upload eines solchen Videos knapp eine Stunde dauert. Beim dritten und äußerst eleganten, sowie sturzfreien Run hat leider die Kamerafrau versagt. Irgendwas ist immer …
Danach gab es noch ein weiteres Adrenalinbonbon. Kopfüber auf einer dicken, glatten Pappe die Düne hinab. Hier wird das Lie Down genannt.
Bei drei Versuchen und kräftezehrenden Aufstiegen (auch auf dieser Seite der Düne gibt es keinen Lift) lag mein mit Speedgun gemessene Rekord bei 69 km/h.
Zu guter Letzt bin ich noch einmal mit dem Snowboard runter, diesmal auch über die Schanze und zurück zu den Autos. Dort gab es ein Abschlussbier und dann zurück nach Swakop. Es war ein Heidenspaß!
An dieser Stelle noch ein großes Lob an Lisa. Meine Frau hat so einige liebenswürdige Schrulligkeiten. So liebt sie die Sonne, das Meer und den Strand, aber vor dem dort (und auch hier in den Dünen reichlich vorhandenen) Sand hat sie ein absolutes Gräuel. Hier war sie total tapfer :-*





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